Die Kritik ist berechtigt, aber Du kannst der Typo3 Community keine Schuld an Deinen teuren Homepagebearbeitungen geben.
Habe ich das denn? Für mich ist das niemals eine "Schuld-Frage". Die Frage der "Verantwortung" dagegen führt in die Lösung der Veränderung. Solange keiner Verantwortlich ist, kann es auch keiner Verändern.
Mich interessiert nicht, wer "SChuld" ist. Ich glaube, daß die geschichtliche Entwicklung von Typo3 zu einigen Phänomenen geführt hat, manche produktiv, andere weniger. Das ist wohl bei jedem System so.
Ein ganz anderes Beispiel: Diplomacy ist eines der erfolgreichsten Strategie-Spiele die die Welt je gesehen hat. Zudem auch eines der herausfordernsten, daß es einzig in Deutschland kaum bekannt ist liegt daran, daß Parker dem Spiel damals eine unverständlich übersetzte Anleitung beigelegt hat.
Diplomacy ist in allererster Linie als ein "Verräter-Spiel" bekannt. Irgendwann verrät in diesem Spiel jeder seine Alliierten, seine Freunde, fällt dem Partner in den Rücken und ähnliches. Das Spiel basiert auf Lug und Betrug, ohne daß davon auch nur ein Wort in der Anleitung steht. Dennoch ist der Verrat eine der schönsten und hervorstechendsten Herausforderungen in diesem Spiel.
Das habe ich einmal gespielt mit einer Gruppe von völligen Anfängern, die den Namen "Diplomacy" noch nie gehört hatten. Ich wollte wissen, ob es möglich ist, mit diesem Spiel eine "faire" Partie zu spielen. Das Ergebnis: In der dritten Runde haben sie sich schon alle gemetzelt.
Worauf ich hinaus will: Bei Diplomacy scheint das Betrügen System-Immanent zu sein. Es ergiebt sich einfach zwangsläufig. Ähnliche Systeme produzieren immer wieder ähnliche Ergebnisse. Das System "Wasser" produziert überall auf der Weltkugel einen Strudel, wenn es abfließt, einzig die Richtung hängt von der Nord- oder Südhalbkugel ab, und daß ohne daß in der Molekularstruktur von Wasser irgendwo die Beschreibung eines Strudels hinterlegt ist. Der Strudel ist System-Immanent.
Was nun steckt in dem System "Typo3"? Es hat natürliche Stärken wie auch natürliche Schwächen, die hat jedes System. Und die bewußte Entscheidung, ob die Schwächen aufgelöst werden sollen (was sehr schwer ist und üblicherweise neue Schwächen produziert oder das System instabil macht) oder klar umgangen führt meiner Meinung in eine größere Stabilität.
Wenn Typo3 sich als Redaktions-System und Joomla sich als Community-System profilieren dann hat jeder seine Stärken betont. GEnau darum geht es mir: Für eine Community hat typo3 immense Schwächen. Und an der STelle ist typo3 zu einer Religionsgemeinschaft geworden, wie mir scheint.
Wenn die Community für Typo3 einen gewissen Zusammenhalt hat stellt sich mir die Frage, ob es Sinn macht, Typo3 so hochzuloben, daß es in der Praxis kaum mithalten kann. Wo auch immer ich nach Typo3 gefragt habe, in typo3-Kreisen gab es niemals kritik, sondern immer nur die Aussagen, daß es mit Typo3 anspruchsvoller ist, dafür das Ergebnis das beste wäre.
Nun sitze ich vor dem Scherbenhaufen, daß mir eine of-the-box-installation von vBulletin und von Joomla in wenigen Minuten mehr gebracht hat, als eineinhalb Jahre mit Joomla. Dadurch bin ich natürlich heftig verbrannt, kritisiere typo3 ziemlich lautstark und rate zu sehr großer Vorsicht. Ich bin nun ein Mensch, wenn mich jemand zu typo3 fragt, dann mahne ich sehr deutlich, den Preis ganz genau anzugucken und besser dreimal zu prüfen, ob andere Systeme nicht mehr hergeben, für dasselbe Geld. Ich erzähle voller überzeugung, daß typo3-Programmierer das System gerne überschätzen und die Grenzen von Typo3 nicht wahrhaben wollen. Ich lege nahe, ungefähr mit dem dreifachen an Geldmitteln zu rechnen, wie es im Angebot steht, bis das System ansatzweise Stabil ist.
Daran ist natürlich niemand "Schuld". Wenn jedoch jemand "Verantwortung" dafür übernimmt, kann er das ändern. Wenn jemand offen vergleicht, was die Stärken von typo3 sind und an welchen Stellen andere Software effektiver und günstiger ist. Wenn jemand dazu stellung nimmt, warum sov iele typo3-Projekte am Ende teurer werden als geplant.
"Verantwortung" ist was ganz anderes als "Schuld". Das Konzept von Schuld liegt mir nicht, das hat die Kirche mit der "Sünde" als Machtfaktor eingeführt, da die Kirche der einzige Ort war, an dem dem Sünder vergeben werden konnte. Der nächste geniale Coup war die Einführung der "Erb-Sünde", die es dem Menschen unmöglich macht, jemals "frei von Schuld" zu sein.
Das Konzept von Schuld halte ich für erfunden, und in der Ur-Form der Bibel war es ebensowenig vorhanden wie die Erb-Sünde, dafür findet sich da, wie erschreckend, die Wiedergeburt. Wenn also noch jemand von Euch glauben sollte, ich würde der Community irgendeine Schuld geben: Geläutert seid Ihr, frei von jeglicher Schuld.
Alles LIebe, Julian!