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Typo3 im Verlagswesen?

Erstellt am 6. Dezember 2006 · 6 Antworten · letzte Antwort am 10. Dezember 2006

Tags: Frage

raphael68 ·

Liebes Forum!

Ich arbeite in einem Schulbuchverlag, das heißt, wir drucken Schulbücher, erstellen Lehrhilfen wie CDs oder Arbeitsblätter, auch Web-basierter Content wird immer wichtiger.

Meine konkrete Frage nun:
Glaubt ihr, dass es Sinn macht, wenn wir in der Firma Typo3 einsetzen?

Bisher arbeiten wir mit teuren proprietären Einzelprogrammen (Office, Freehand, Indesign..) und ich glaube, das könnte man mit Typo3 einiges erleichtern...

Auf die Idee eines möglichen Typo3 Einsatzes bin ich über folgende Homepage gekommen.
http://www.yeebase.com/verlag/technologie/

Mir ist schon klar, dass Typo3 primär fürs Web entwickelt wurde, aber ich habe so ein Gefühl, dass man damit noch viel mehr (eben im Druckbereich) machen könnte.

Nun bin ich halt absoluter Anfänger, aber sehr neugierig...

Was würdet ihr mir nun raten?

Danke!

raphael68

XTOF ·

Hallo zusammen.

Genau soetwas würd mich auch interessieren, hat da jemand Erfahrung?

Mich würde interessieren:
- medien-/formatneutrale Verwaltung von Artikel-/Textinhalten und ihren Übersetzungen (Unicodefähigkeit), optional mit Versionierung
- Einfache Verwaltung von Bildern (Media Asset Management)
- Zusammenstellung von Inhalten
- Ausgabe (Export- und Schnittstellenmöglichkeiten)
- Abbildung von Workflows (mit Benachrichtigung)

Kann jemand zu den Punkten etwas sagen?
Wie funktionert so ein Ablauf bei yeebase?

Viele Grüße
XTof

Unbekannter Benutzer ·

So einfach wird euch niemand diese Frage beantworten können. Ich versuch mal einen anfang (mit meinem eingeschränktent Wissen...)

1. Typo3 ist für das WWW "optimiert" - Eingabemasken und Ausgabe Templates sind standardmäßig auf html/xhtml - Basis angelegt. Der Content selber wird jedoch in einer Datenbank abgelegt und ist (soweit das möglich ist) "medien/formatneutral" - in eurem Fall (Artikel-struktur) würde das auf Flexforms hinauslaufen und die werden als XML gespeichert - also Standard.

2. Einfache Verwaltung von Bildern - das DAM Modul ist recht weit entwickelt, ob es für die gegebenen Anforderungen von sich aus ausreicht müßt ihr selber prüfen.
Mit Imagemagick (open-source, nicht integrierter Teil von Typo3 aber eng eingebunden) kann eine automatische Bearbeitung der Bilder (umcodierung in formate, größen, wasserzeichen etc.) erfolgen, efordert aber auch eine gewisse Kompetenz/Einarbeitung.

3. Workflow - Typo3 hat in den neuen Versionen ein brauchbares Workflow Modul - ob das ausreicht oder erweitert muss, müßtet ihr erneut prüfen.

4. Ausgabe - Über entsprechende Extensions könnt ihr die "standarmäßige" (X)HTML Ausgabe abändern - vorhanden sind pdf export etc - doch sind diese eher auf die print-ausgabe von html-seiten optimiert. Höchstwahrscheinlich gibt es da jede Menge anpassungsarbeit/programmierarbeit zu erledigen.

5. Zusammenstellen von Inhalten
Das dürfte der einzige Punkt sein, denn man mit einem deutlichen Ja (und einem Aber hinterher) beantworten kann. Typo3 unterscheidet sich von "einfacheren" cms-Systemen gerade darin, dass Inhalte so zusammengestellt werden können, wie man es braucht - wenn (jetzt kommt das Aber) man die nötigen Kenntnisse hat - und die sind gerade in einem multi-plattform Ansatz nicht gerade auf Einsteiger-niveau.

Typo3 gilt unter den open-source systemen (neben zope/plone) als kompliziertestes - das liegt gerade an dem Framework - Charakter den beide Systeme haben (und der ist nötig für den multi-plattform Ansatz). Doch es würde mich wundern, wenn es in diesem Bereich eine Alternative gäbe.

@raphael68
ob dein Ansatz direkt für Schulbücher geeignet ist, will ich bezweifeln - wo ihr Content standardisiert widergeben wollt (z.B. Arbeitsblätter) ist es sicherlich sehr geeignet, wo ihr Content verwalten und wiederverwenden wollt (multi-plattform) ist es einen genaueren Blick wert, wo ihr interessante (individuelle und abwechslungsreiche) Schulbücher herausgeben wollt ist es eher schwierig (Ausnahme bilden meiner Meinung nach stark "systematische" Werke für Berufsschulen etc)

Ansonsten würde ich bei yeebase fragen, ob Sie nicht eine Sparte aufmachen wollen, die ihr Produkt weitervermarktet und mit Pflege / Anpassung Geld verdienen will.

Die Alternative dürfte nicht billig sein: ein kompetenter Partner, mit dem man eng zusammenarbeitet oder in-house Kompetenz die nicht billig sein dürfte.

Sorry wenn's zu vage war, aber vielleicht hat's den Nebel weniger dicht werden lassen.

Grüsse
Jacek

XTOF ·

Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

😃

Zu 4.: ich könnte mir eine Ausgabe der Artikel nach XML und dann nach InDesign vorstellen... nur mal so ne Idee. Wäre so etwas denkbar?
Es wäre ja schon immerhin mal ne zentrale Plattform da um Artikel zu pflegen, zu übersetzen und zusammengestellt auszugeben.

Unbekannter Benutzer ·

So einen ähnlichen Weg geht yeebase - allerdings - wenn schon xml - wieso dann noch der umweg über InDesign? Die Mühe die mann investiert um Typo3 anzupassen lohnt sich erst, wenn so viel wie möglich automatisiert wird und die Ausgabe - wie bei yeebase - über xsl:fo -> pdf erfolgt (mit allen einschränkungen die XSL Formatting Objects so haben). Ein xml/pdf - import in indesign könnte einfacher sein - nur dann ist es vielleicht doch die falsche software: Ich glaube das der Aufwand um Typo3 anzupassen sehr groß ist und sich erst rechnet wenn man:

standard - eingabemasken hat die von vielen betriebsfremden Personen genutzt werden (aufwand diese einzuweisen ist zu groß - aufwand typo3 anzupassen ist dementsprechend lohnender)

multi-plattform Ansatz (Content wird für das WWW, Arbeitsblätter, CDs und Bücher genutzt)

standard - Ausgabe (immer ähnliche Artikel in jedem Medium)

Erst dann werden die Nachteile kompensiert: relativ unflexibel bzw. um flexibel zu bleiben muß das System angepasst werden -> Programmieraufwand...
Sonst sind Adobe (Gesamt-)Lösungen wahrscheinlich geeigneter, flexibler und u.U. billiger (vor allem wenn man eingearbeitete Mitarbeiter hat).
(by the way: Typo3 wird wohl nie Freehand ersetzen können 🙂 )

Wenn also Media Asset Management in Typo3 ausreicht (DAM), ebenso wie die Benutzerverwaltung und die Typo3 Workflow-Funktionen kann man darüber
- Artikel erstellen (notwendig zum programmieren: fortgeschrittener Typo3 Programmierer)
- organisieren (Typo3 "Experte" da anders als Standard)
- und als xml ausgeben (je nachdem fortgeschrittener php/xml programmierer)

- nur ist typo3 nicht indesign und man muß schon wollen, das eingabe wie ausgabe relativ standardisiert sind.
(vielleicht ist der Ansatz einer weiterverarbeitung in indesign durchaus nicht so schlecht - wenn alle einzelnen Punkte zu Gunsten von Typo3 abgehakt werden können)

Ist alles natürlich nur eine unqualifizierte persönliche Meinung - typo3 kann durchaus sinn machen - siehe yeebase - aber eine out-of-the-box - Lösung wird's nicht.

Viel Spass
jacs
p.s. postet mal detailierte erkenntnisse sobald ihr sie sammelt 😃

raphael68 ·

Hi!

Danke, jacs, für die Antwort, die keineswegs vage war, hat mir doch so einiges klar gemacht. Vor allem bin ich nun doch noch neugieriger geworden, was das typo 3 so alles kann, werde mich in Zukunft wohl intensiv damit beschäftigen müssen...

Ciao!

Unbekannter Benutzer ·

Aber bevor du das machst, schau Dir auch mal als Alternative das CMS Silva an - basiert auf zope (womit es u.U. komplizierter ist und statt php python benutzt) ist aber vielleicht einen Blick wert (zumindest werben Sie damit stärker auf X-Plattform publishing und Artikelstruktur ausgerichtet zu sein):
http://www.infrae.com/products/silva
Und erneut lass auch uns wissen, was du rausfindest.
Grüsse jacs